Sonntag, 22. Oktober 2017

Pamir - Highway Dushanbe - Kulob 20.08 - 25.08

In diesem Blog finden Sie u.a. meine Radreise  in 6 Etappen um die Welt:


Etappe   I:     USA-Durchquerung   10.01.- 14.04.13        6.230  Km
Etappe  II:    Brest/Fr.-Bruchsal      28.09. - 11.10.15       1.481  Km
Etappe III:    Bruchsal - Berlin:      15.02. - 21.02.16           760  Km
Etappe IV:   Berlin - Shymkent      14.03. - 31.05.16        5.780  Km

Etappe  V:   Dushanbe-Shymkent   19.08. - 07.10.17       2.479  Km
                    Pamir-Highway

Etappe VI:  2018   Richtung  China  und /oder  Japan

                    




 PAMIR - HIGHWAY  -

Eine Radreise in eine andere Welt


Etappe IV auf meinem Weg rund um die Erde


Ein Unikum:  

Das T-Shirt hatte ich eigens 
für Radtour durch Zentralasien entworfen.                             





Schon seit einem halben Jahr hing diese Landkarte von Zentralasien ( Tadschikistan, Kirgisien, Kasachstan ) an der Wand meines Arbeitszimmers. 
Im Frühsommer hatte ich dann - in Absprache mit meiner Radelpartnerin Katharina - den endgültigen Routenverlauf abgesteckt.



Eckpunkte der Radreise:

Start:  Dushanbe am    19.08.2017
Ziel:   Shymkent am    07.10.2017

Ursprünglich war die Rückkehr für den 16.10. vorgesehen. Warum es eine Planänderung gab, ist dem Blog zu enrnehmen.


Streckenlänge:  ca.      2.500 Kilometer 

Höchster Wegepunkt:  Ak-Baital-Pass    4.655 Meter


Mit Shymkent als Etappenziel kam ich Anfang Oktober in die Stadt zurück, die ich im vergangenen Jahr von Berlin kommend radelnd erreicht habe. ( Brest / Bretagne. - Shymkent :  8.021 km )


Ausblick:

2018 kommt dann das große Finale mit der Radtour von Bishkek oder Almaty  nach China oder über den Baikal-See durch Russland und weiter nach Japan. 

Damit hätte ich einmal die Nordhalbkugel komplett mit dem Reiserad umrundet.

 

In den vier Radtaschen auch dieses Mal wieder rund 25 Kilogramm an Ausrüstung ( ohne Essen und Trinken )


Als Botschafter der Stiftung Deutsche Leukämie- & Lymphom - Hilfe Bonn engagiere ich mich gerne für einen guten Zweck.
Helfen auch Sie z.B. mit einer Spende Stichwort: PEKING


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Lange haben wir diese Reise herbeigesehnt. Am 19. August war es dann so weit.

Katharina und ich treffen uns am Frankfurter Flughafen, um  gemeinsam ein Abenteuer der besonderen Art zu erleben´.


Alles gut verpackt

 
                                              


Auf dem Weg zum Flughafen


Katharina und ich beim Einchecken


So. 20.09.

Die Fluggesellschaft Somon-Air bietet jeden Samstag ab Frankfurt einen Direktflug von Frankfurt nach Dushanbe an.
Preis: rund 400 Euro zuzüglich Fahrradtransport. Pro Kilogramm werden weitere 10 Euro fällig



Nach einem sechsstündigen Nachtflug erreichen wir am frühen Morgen Dushanbe.
Der Zusammenbau der Räder erfolgt unter den neugierigen Blicken zahlreicher Passanten im Freien vor dem Flughafengebäude.



                                                   


Mittels meinem GPS-Gerät finden wir problemlos das zwei Kilometer entfernte Atlas B&B Hotel - eine richtig gute Adresse in Dushanbe.


Der Eingangsbereich des Hotels




Der Frühstücksraum. Büffet vom  Feinsten

Zwei Nächte verbringen wir hier - Zeit genug, um uns an die Zeitumstellung und an die große Hitze um die 35 Grad zu gewöhnen.

GPS:  38.5648     - 68.8126



Mo. 21.08.

Insgesamt sind wir 30 Kilometer an beiden Tagen mit den Rädern in Dushanbe unterwegs und verschaffen uns so erste Eindrücke der Stadt.





Kurze Pause im Park


Abends gegen 21 Uhr noch immer 24 Grad im Freien. Sehr angenehm

 Präsidentenpalast



Unterwegs auf dem Basar der Stadt


Noch haben wir keine Magen-Darm-Probleme



Somoni-Denkmal


Vor der Oper





Di. 22.08.    Start  zur Radtour auf das Dach der Welt


Über eine dreispurige, verkehrsreiche Ausfallstraße verlassen wir Dushanbe in östlicher Richtung. Das ist ein nicht sehr angenehmes Unterfangen: Abgasgeschwängerte, staubige Luft. Hupende Autos.
 
 
 
                                                                      
 
 
 
 
An einer Tankstelle erhalte ich problemlos einen knappen Liter Benzin für meinen Kocher.
Langsam kriechen wir mit unseren noch ungewohnt schweren Reiserädern bei zunehmender Hitze hoch bis auf 1.300 Meter.
Ein 4,4 Kilometer langer, dunkler Tunnel dämpft zusätzlich unsere anfängliche Euphorie.
Es ist zu gefährlich, diesen radelnd zu passieren.
 
Deshalb beschließen wir, diesen zu Fuß zu durchschreiten.
Rechts der Fahrbahn befindet sich - etwas erhöht - ein schmaler Fluchtweg aus zusammengefügten Betonplatten. Diesen Weg nehmen wir.

Länger als eine Stunde sind wir in dieser doch recht dunklen Röhre unterwegs. Wir kommen nur langsam voran, weil manche Betonplatten breite Risse und Löcher aufweisen.




Geschafft - der erste Tunnel liegt hinter uns. Ein zweiter mit 2,2 Kilometer folgt morgen.

Nach dem Tunnel halten wir und füllen unsere Wasservorräte auf.



Anfangs sind wir etwas blauäugig und steuern häufiger die hygienisch wohl eher bedenklichen Garküchen am Straßenrand an.
Für die heutige Übernachtung empfiehlt mir das Navigationssystem ein Hotel mit angeschlossener Wellness-Anlage.  Dagegen ist nichts einzuwenden.
 Nach der heutigen Hitzeschlacht war es sehr angenehm, hier im Pool ein paar Runden zu schwimmen.



Im Plausch mit einigen Russen - der Wodka an diesem Abend bleibt nicht aus.

Am Morgen danach. Wir frühstücken im Eingangsbereich vor unserem Zimmer.

GPS:   38.3834           - 69.2691
Km heute:       58                                    gesamt: 88




Mi. 23.08.


Am Morgen radeln wir nach dem Frühstück einen langen, steilen Anstieg zurück hoch auf die Straße.
Den zweiten Tunnel bezwingen wir dieses Mal fahrend, da heute der Verkehr etwas geringer ist.


Nach dem Tunnel ein schöner Blick hinunter auf einen Stausee




Und die nächste Garküche lässt nicht lange auf sich warten...




... zumal die Aussicht hier oben wirklich einladend erscheint





Ein Opel im Belastungstest.  Made in Germany eben

In Tadschikistan - das fällt auf - ist fast jedes zweite Fahrzeug ein Opel.  Meist ein Opel Astra Caravan, da dieser Wagen viel Stauraum bietet.


Die Kleineren bevorzugen lieber einen Transportesel. Warum denn nicht?


Am späteren Nachmittag machen wir Rast vor dem Anwesen einer Wirtschaft. Ein Schattenplatz tut gut. Es ist heiß.


Frisch sieht anders aus - die Hitze setzt uns sichtlich zu


Zu unserer Überraschung erhalten wir vom Eigentümer der Wirtschaft ein kostenloses Zimmer für die Nacht im Nebengebäude. Inkl. Dusche!






Katharina schläft, kaum hat sie das Zimmer bezogen. Wahrscheinlich träumt sie bei der Hitze von einem Strandurlaub in der Karibik und einem Eis am Stiel.


GPS:   37.9518        - 69.3254

Kilometer heute:       62                     gesamt:    150





Do. 24.08.

Wir starten wegen der Hitze schon um sieben Uhr. Doch schon nach nur zwölf geradelten Kilometern wird es mir plötzlich unangenehm heiß.

Furchtbar erschrocken bemerke ich nämlich, dass ich meine Brusttasche mit allen Papieren ( Pass, Visa .... )  einschließlich meiner Kreditkarte im Zimmer vergessen hatte.

Da kommt Freude auf - auch bei Katharina.

Während ich nun am Straßenrand stehe und einen Wagen anzuhalten versuche, muss Katharina schattenlos neben der Straße auf mich warten und auf die Räder aufpassen.

Das hatten wir uns heute so nicht vorgestellt.

Nach gut einer Stunde bin ich freudestrahlend zurück. Die Brusttasche lag noch unberührt unter meinem Kopfkissen.

Nachfolgend einige Schnappschüsse von der heutigen Etappe nach Kulob



Benzin gefällig - der Liter für unter 50 Cent


Verdorrtes Gras.  Braun - brauner geht's nicht.

Viehtreiber bei der Arbeit




Hier ist etwas Geduld gefragt



Live-Schlachtung neben der Straße



Nur wenige haben das Glück, an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen zu  sein.




Baumwollanbau in Tadschikistan. Frauen beim Abtransport der gepflückten Baumwolle





 Und da ist er wieder - der Opel Caravan im Belastungstest.



Und dann sind wir am Ziel. Kulob ist erreicht.


Auf unserer Radtour ist nicht alles so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe.

Vergesse ich am Morgen meine Brusttasche, so kommt es am heutigen Abend knüppeldick.  Bin aber selbst Schuld.

Auf der Suche nach einem guten Hotel im Stadtzentrum führt und ein Einheimischer zum Hotel Khatlon.


Russischer Kolonialstil - ein Plattenbau der Extraklasse


Wenigstens lohnt für 10 Euro/ Pers. die Nacht der Blick vom Balkon aus


Während meiner Reisevorbereitungen hatte ich nichts Gutes über dieses Hotel gelesen. Leider hatte ich mich jetzt nicht mehr an die abschreckende Beschreibung im Reiseführer erinnern können.
Zu unserem Leidwesen.

Darin steht wortwörtlich folgendes:

"Das Hotel Khatlon ist nur etwas für abgehärtete Reisende.
Die Bäder sind scheußlich und die Bettwäsche grau und klamm.
Es gibt manchmal warmes Wasser! Abgewetzte Zimmer im russischen Kolonialstil mit weinroten Sofas. Der größte Komfort, den Kulob zu bieten hat."


Und damit hatte der Reiseführer nicht übertrieben.



Die Toilettenspülung funktioniert nicht. Auf Nachfragen erhalten wir einen Eimer, mit dem wir an der Badewanne Wasser zum Nachspülen holen konnten.   Das Wasser dort fließt zu unserer Freude aber nur spärlich.



Ob der Boiler tatsächlich schon mal das gemacht hat, was er eigentlich sollte?  Nämlich Wasser erhitzen.


Für uns  beide ist klar - eine Nacht und keine Minute länger.
Morgen wollen wir umgehend das Hotel des Schreckens verlassen, zumal auch die Beschreibung der Bettwäsche der Realität voll entspricht.

 
                                                                   
                                                                           



Katharina hat  zudem  erste Magen-Darm-Probleme. Kurz nach Mitternacht war es wohl, als sie mich weckt und mir aufgeregt klar macht, dass man uns nun auch noch das Wasser komplett abgestellt hätte.

Im zweiten Satz wünscht sie mir dann alles Gute zum Geburtstag.
Ein Geburtstag, den ich nicht vergessen werde.

Wenigstens ein Lichtblick. Katharina überrascht mich zum Geburtstag mit einem  Gugelhupf und einem Allgäuer Schlauchtuch. Erinnerung an gemeinsame Tage.

GPS:  37.9084    - 69.7743    unbedingt merken !

Solltest du einen Menschen kennen, den du gar nicht leiden magst, dann schenke demjenigen doch einen einwöchigen Aufenthalt im Hotel "Khatlon".   Er wird es dir ewig danken.

Km - heute:     70                       gesamt:  220


Noch in der gleichen Nacht veranlasst Katharina, dass der Hebel draußen im Flur wieder umgelegt wird und das Wasser - wenn auch spärlich - tatsächlich wieder läuft.

Aber letztendlich findet unser Aufenthalt in Kulob - eine Stadt, die man als Reisender nicht unbedingt gesehen haben muss - ein gutes Ende.


  
Neugierig und offen sein für Neues - Kleiner Ausschnitt meines Sprachunterrichts mitten in Kulob.


                                                        
Spaziergang über den Markt von Kulob an unserem ersten Ruhetag
                                               

Am Vormittag ( 25.August ) wechseln wir nur einen Kilometer weiter  in ein nettes Hotel mit einem sehr sauberen, geräumigen  Zimmer. Auch das Bad ist in einem guten Zustand und die Dusche tut, was sie sollte. WLAN inbegriffen.  Zu unserer Überraschung ist es billiger als das Hotel des Schreckens.

Wahrscheinlich war in der Rechnung des Hotels Khatlon ein "Greuel - Zuschlag" gleich mit inbegriffen.